Wie wohl in jeder Familie, so wird auch bei uns ab und zu “analysiert” wer wohl welche Eigenschaften an welches Kind weitergegeben hat.
Wir hatten die Diskussion schon lange nicht mehr. Aber nach dem “Schwarzine”-Witz und einigen Kommentaren auf Facebook stand meine Aussage “Unsere Kinder haben alle positiven Eigenschaften von Annabelle” im Raum.
Das wurde natürlich ausgiebig beim Abendessen erörtert (wann wird es jemals ein stilles Essen bei uns geben?)
- Annabelle
- Du hast ja so recht. Ihr beiden (zeigt auf Fabian und Felix) habt alle guten Eigenschaften von mir.
- Stefan
- Hmm, naja. Das habe ich nur so dahingesagt. Sooooo einfach kann man das ja auch nicht sagen. So einige schlechte Charakterzüge sind eindeutig aus deiner Linie!
- Annabelle
- So? Also, den Dickschädel haben die Beiden schon mal von dir!
- Stefan
- DICKSCHÄDEL? ICH? NEEEEEEE! Der ist von dir!
- Annabelle
- Neeee, der ist von dir!
- Stefan
- Von dir!
- …
- Annabelle
- Und die Besserwissenschaft haben sie auch von dir
- Stefan
- Das heißt Klugscheißerei und das kommt von dir!
- Annabelle
- Siehste! Da haben wir es wieder
- … ich könnte das jetzt genüsslich fortsetzen … aber da meldet sich noch jemand zu Wort …
- Felix
- Also, EINS haben wir doch ganz Tolles von Papa!
- Stefan
- Ach, so! Eine Sache. Na, immerhin. Jetzt bin ich aber mal gespannt! Was denn?
- Felix
- Ja, eine, die einzige Sache, die wir von Papa haben und die ganz toll ist: wir sind Männer!
Ha! Meine Jungs!
Dieses Posting ging zwar schon über die Facebook-Bühne, aber da ich in ein paar Jahren in Facebook nichts wieder finden kann, hier aber noch die Geschichten aus dem Jahre 2004 erhalten sind, muss ich das mal eben in Stein meißeln.
Außerdem sollt ihr das ganze Ausmaß der Geschichte erfahren, nicht nur den kleinen Ausschnitt auf Facebook.
Wir waren heute morgen in der Hanauer Bücherei. Ich liebe Bücher und Büchereien noch mehr. Nicht die sauberen, sterilen großen Bibliotheken, sondern diese kleinen Büchereien. Weiterlesen »
Unser Skiurlaub war wirklich schön. Der Schnee war toll und auch das Wetter war uns wohlgesonnen. Ein Glück, denn so konnten wir außer Skifahren noch unsere zweite Lieblingsbeschäftigung ausüben: Von unseren Kindern die verlorenen Dinge aufsammeln.
So war dann auch, ähnlich wie bei Schulklassen, “Durchzählen” angesagt. Bevor wir in die Gondel stiegen: “Handschuhe durchzählen!”
8? Gut. Skistöcke? Auch 8. Mützen?
Und so konnte ich zwischenzeitlich noch den ein oder anderen Handschuh und auch mal eine Skibrille retten.
Abends im Hotel, wir hatten glücklicherweise 2 Zimmer, hörte ich dann aus dem Nachbarzimmer (durch eine Schiebetür getrennt – ich hasse seitdem Schiebetüren)
- Fabian
- Ich habe was verloren!
- ich
- Ohhhh nein!!!!
- Fabian
- Mist! Ich habe was verloren!
- ich
- Ja, verstanden. Was denn? Doch nicht etwa einen Handschuh? Den Schal?
- Fabian
- So ein blöder Mist! Dass ich das jetzt verloren habe!
- ich
- Zum Kuckuck! WAS DENN?
- Fabian
- Ich habe meinen blauen Schildkrötenpanzer verloren!
- ich
- … ???
Ich hasse Super Mario und ich hasse Nintendo. Falls ich das nicht schon mehrfach erwähnt haben sollte.
Beim Einschlafen entfährt Felix noch ganz kurz die wichtigste Info, die er seit dem Mittag nicht losgeworden ist.
- Felix
- Uhhh. Ich brauche für morgen noch Fotos vom Wald!
- Ich
- Hä? Fotos vom Wald? Wie meinst du das jetzt?
- Felix
- Ja. Fotos vom Wald halt. So 4.
- Ich
- 4? 4 Fotos? Soll ich die jetzt noch knipsen und bis morgen früh entwickeln lassen? Äh, es ist 20:00 Uhr. Oder soll ich dir die Digitalkamera mitgeben und du schaust sie dir darauf an? Oder soll ich im Internet welche suchen und ausdrucken?
- Felix
- Ich
- Aha!? Wofür brauchst du die denn überhaupt?
- Felix
- Malen
Mehr ist nicht aus ihm herauszuholen. Er schläft schon fast.
Ich werde aus meinen Kindern nie schlau. Irgendwie denken die anders als ich. Ich versuche verzweifelt den nötigen Kontext zu bekommen und erhalte immer nur Bruchstücke, Satzfragmente oder leere Sprüche. Die kann ich mir dann beliebig zusammenhämmern, um ein ganzes Bild zu erhalten. Meistens habe ich aber nur viertel Bilder oder Widersprüchliche
Ernsthaft frage ich mich, warum Kinder als Mal-Vorlage Wald-Fotos benötigen? Können die sich den Wald etwa nicht mehr vorstellen? Wissen die nicht wie es in einem Wald aussieht? Haben die alle noch keinen Wald von innen gesehen? Sind wir schon so weit?
Und überhaupt: Wie können Lehrer eigentlich damit rechnen, dass so etwas innerhalb von einem Tag aus dem Hut gezaubert wird? Hat jeder zu Hause Internet und Farbdrucker? Wir hatten bis vor einem Jahr nicht mal eine Digitalkamera. Ok, glücklicherweise gibt es die Google Bildersuche, da hat man ja mehr Waldbilder als man braucht. Aber ich bin schon verwundert, dass so etwas bereits als selbstverständlich vorausgesetzt wird.
Ich drucke also vier schöne grüne Waldfotos aus (dabei stelle ich fest, dass die grüne Druckpatrone wohl bald leer sein wird *seufz*) und überreiche sie Felix am nächsten Morgen.
- Felix
- Da sind ja gar keine Tiere drauf
- Ich
- Tiere? Was für Tiere?
- Felix
- Na, Tiere halt. Aus’m Wald
- Ich
- (Augenbrauen leicht hochgezogen) Tiere! Ach so. Nee, ich habe die ganze Nacht im Wald auf der Lauer gelegen, aber es hat sich leider kein Tier für ein Foto blicken lassen.
Ohhhhh man!
Fabian war nun eine Woche auf Klassenfahrt. Sehr ungewohnt für uns Eltern. Aber als er am Freitag zurück kam war die Freude groß und ich konnte es mir nicht verkneifen:
- Ich
- Und, Fabian, hast du uns denn auch so vermisst?
- Fabian
- Hmmm! Eigentlich nicht so sehr.
- Ich
- (etwas weniger euphorisch versuche ich mich an den letzten Hoffnungsschimmer zu krallen.)
Eigentlich? - Fabian
- Ja, eigentlich. Also, eigentlich habe ich euch überhaupt nicht vermisst.
- Ich
- (berappel mich ein wenig und versuche das Thema zu wechseln)
Was hast du denn so gemacht, wo du uns schon nicht vermisst hast? - Fabian
- Ich habe gechillt.
Shazam hat mir schon oft gute Dienste geleistet. Einfach ans Radio halten, zack, Song erkannt. Da macht es dann auch nichts mehr, dass die Radiomoderatoren es nicht nötig haben, Lieder ordentlich an- oder abzumoderieren. Shazam erkennt die Songs sehr zuverlässig.
Da dachte ich mir, dass Shazam vielleicht auch erkennt, was meine Jungs gerade auf dem Klavier spielen. Fabian spielt gerade “Wilder Reiter” von Schumann. Mal sehen wie gut das erkannt wird. Und tatsächlich, da wird doch was gefunden:
Wusste gar nicht, dass hausgemachte Klaviermusik so sehr House ist
Ich rufe kurz zu Hause an:
- Felix
- Felix Vogel
- Ich
- Hallo Felix, mein Schatz.
- Felix
- Hallo!
- Ich
- Ich wollte nur kurz Bescheid sagen, dass ich heute Abend etwas später komme.
- Felix
- Ok. Tschüß!
- Ich
- Hu??? Du hast es aber eilig!
- Felix
- Ja, Tschüß!
- Ich
- Wow, du scheinst ja ganz begeistert zu sein, was machst du denn gerade sooo wahnsinnig Tolles?
- Felix (er stutzt, man hört an der Stille förmlich für was für eine dämliche Frage er das hält)
- Na, … ich … telefoniere?
- ???
Unsere Jungs haben einen netten Tageskalender, der jeden Tag eine neue Frage aufwirft und auch beantwortet. Da erfahren selbst die Großen ab und zu etwas Neues.
Heute stand folgende Frage bei Felix im Kalender:
Zebras haben identische Streifen:
- Innerhalb der Familie
- Innerhalb des Rudels
- gar nicht
Felix überlegt:
- Felix
- Ja, also wenn die Zebra-Mama ein Kind bohrt …
- Annabelle
- Ein Kind gebährt. Das Kind wird doch nicht gebohrt.
- Felix
- Ja, ja. Also wenn die Zebra-Mama ein Kind bohrt, gebohrt … äh gebährt, dann hat doch das Kind auch die gleichen Hormone wie die Mama.
- Annabelle
- Du meinst “Chromosomen”, es sind aber wohl eher die Gene, die das Aussehen bestimmen.
- Felix
- Ja, ja. Also die Hormone … Chromosomen, Gene von der Mama. Und dann müssen die Kinder doch auch die gleichen Streifen haben.
- Annabelle
- Gut überlegt. Aber du hast ja auch meine Gene bekommen und siehst nicht so aus wie ich.
- Felix
- Ich habe ja auch keine Streifen!
Unsere Jungs sind ja immer darauf bedacht ordentlich was los zu machen. Sie haben sowieso jeden Tag viel zu wenig Zeit zum Spielen. Ich frage mich allerdings meistens: “Was haben die beiden denn anderes getan als Spielen?”. Hausaufgaben oder ähnliche “wichtige” Dinge können es eher nicht sein. Und Trödeln zähle zumindest ich immer zur Spielezeit.
Aber Spielen ist bei den Jungs natürlich nicht einfach nur ein Brett-Spiel oder etwas Ruhiges. Nein, Spielen ist Hardcore-Toben, Klettern, Fangen, Rennen, Knie aufschlagen und Beule kriegen. Auch Fernsehen gehört nicht dazu, weswegen der Fernseher bei uns meistens aus ist. Ebenso sind andere Stillsitz-Tätigkeiten wie Computer-Spiele, Internet, Nintendoe, … auf keinen Fall “Spiele” und werden daher eher gemieden.
Als letztens Besuch da war und nachdem alle hechelnd am Tisch saßen, um etwas verlorene Flüssigkeit nachzugießen, fragte Felix unseren Gast ganz interessiert: “Und was spielst du sonst so?”
Die Antwort kam prompt: “Ich spiele am liebsten Kika d e!”
Ok, Kika.de ist auch ein spannendes Spiel. Bin ich so froh, dass unsere Jungs noch “normal” spielen. Auch wenn ich mir insgeheim häufiger etwas Ruhigeres wünsche.
Felix schaut erst völlig entgeistert. Ich frage mich immer noch was er eigentlich verstanden hat. Wahrscheinlich kam bei ihm nur “Kika” an, den Kanal kennt er immerhin von der “Sendung mit der Maus”.
Felix antwortet also völlig entrüstet: “Aber das ist doch kein SPIEL!”
Wir sitzen mal wieder bei einer typischen hektischen Mahlzeit zusammen. Fabian und Felix reden was das Zeug hält. Annabelle versucht mit einem klugen Schachzug das allgemeine Durcheinander an Gesprächsfetzen ein wenig zu kanalisieren
- Annabelle
- Auf was für ein Essen habt ihr denn an Weihnachten Lust? Sollen wir Raclette machen?
- Felix und Fabian
- (im Chor) Auu jaaaahhhh!
- Fabian
- Da können wir die Pfännchen füllen und dann in das Gerät schieben. Oha!
- Annabelle
- (die Augen leicht gegen die Decke gerichtet) Oha! Genau! Und dann hat nachher jeder den Teller voll, weil euch das Braten so einen Spaß macht. Nur gegessen wird nix.
- Felix
- Das ist doch genauso wie beim Computer. Da schiebt man auch so eine CD rein und dann wird die gebraten.
