Wir sitzen mal wieder bei einer typischen hektischen Mahlzeit zusammen. Fabian und Felix reden was das Zeug hält. Annabelle versucht mit einem klugen Schachzug das allgemeine Durcheinander an Gesprächsfetzen ein wenig zu kanalisieren
- Annabelle
- Auf was für ein Essen habt ihr denn an Weihnachten Lust? Sollen wir Raclette machen?
- Felix und Fabian
- (im Chor) Auu jaaaahhhh!
- Fabian
- Da können wir die Pfännchen füllen und dann in das Gerät schieben. Oha!
- Annabelle
- (die Augen leicht gegen die Decke gerichtet) Oha! Genau! Und dann hat nachher jeder den Teller voll, weil euch das Braten so einen Spaß macht. Nur gegessen wird nix.
- Felix
- Das ist doch genauso wie beim Computer. Da schiebt man auch so eine CD rein und dann wird die gebraten.
Wir spielen in gemütlicher Runde am Küchentisch “Die Reise zum Mond”.
Jedem der dieses wundervolle Kinderspiel nicht kennt (so wie ich), seien hier noch kurz die Regeln erklärt. Ein Mitspieler denkt sich ein Muster aus (z.B. “Alles was mit ‘A’ beginnt”) und legt dann los: “Ich nehme eine Ameise mit zum Mond!”. Die Anderen nehmen verschiedene andere Dinge mit. Der “Musterausdenker” entscheidet nach seiner Regel, ob der Mitspieler den Gegenstand mitnehmen darf oder nicht (also: keine “Drossel”, aber eine “Amsel”).
Die Mitspieler versuchen nun die dahinterliegende Regel herauszufinden.
Die Regeln sind dabei beliebig kompliziert (z.B. “Alles was aus Elementen der 1. Gruppe des Periodensystems besteht” oder ähnliche Regeln, die man prima mit Kindern spielen kann)
- Fabian
- (hat sich eine Regel ausgedacht) Ich nehme “Milch” mit.
- ich
- Hmm, ok (in der Erwartung dass die Regel sein könnte “Alles was mit ‘M’ beginnt”) Ich nehme “mich” mit.
- Felix
- (ganz aufgeregt) Ich weiß es! Alles wo “Fett” drin ist.
Seufz
Wenn Fabian und Felix im Urlaub ihr Go-Kart-Fahren beendet hatten, gab es als “Abschluss”-Geschenk meistens einen Lutscher. Toll. Wir “zahnbewußten” Eltern waren zwar nicht sonderlich begeistert. Fabian und Felix aber umso mehr. Insbesondere weil die Lutscher so richtig fiese grelle Farben hatten.
Natürlich ging basierend auf den Farben sofort das große Geschmacksrätselraten los. Fabians Lutscher war knallrot/weiß gefleckt.
- ich
- Das schmeckt bestimmt nach “verblutender Kuh”.
- Fabian
- (leck leck) Neee. Das ist … Kirsch? (leck leck) Ne, oder … Erdbeer?
- ich
- Ich glaube, das ist egal!
Offensichtlich war der Geschmack völlig irrelevant.
Felix’ Lutscher war grell-gift-dunkel-grün/weiß gefleckt.
- ich
- Und nach was schmeckt dieses wunderschöne “grün”? Nach Waldmeister? (Viel mehr fällt mir bei “grün” ehrlich gesagt auch nicht ein. Oder hat jemand schon mal einen Pistazien-Lutscher gelutscht?
- Felix
- (leck leck) Neee. Der schmeckt nach Gras!
Gut, dass wir das geklärt hätten. Und: Nein! Wir waren nicht in Holland im Urlaub!
“Unser” Einkaufszentrum hat sich mal wieder etwas einfallen lassen. In den “Gassen” hängen diesmal käuflich erwerbbare Bilder diverser Künstler. Glücklicherweise sind die Bilder mit 2 Bändern an der relativ hohen Decke befestigt, so dass die Bilder schön hin- und herschwingen, sobald sie angestoßen werden.
Wir spazieren neben der ersten Reihe an Bildern vorbei. Da die Bilder nicht mein Geschmack sind, ignoriere ich sie und denke nur “hoffentlich kommen wir hier heile vorbei”. Aber da sehe ich schon das erste Bild aus dem Augenwinkel hin- und herschwingen. Fabian konnte nicht anders, er musste unbedingt das Bild anschubsen. Wir stehen vor dem zweiten Bild und stellen Fabian erstmal zur Rede. Schließlich wollen wir gerne unbehelligt an den nächsten gefühlten 2 Millionen Bildern vorbei kommen.
Als Argumentationshilfe dient der Beschreibungszettel am Bild:
- ich
- Fabian, lass die Finger von den Bildern. Die hängen hier nicht zum anschubsen, sondern zum Verkaufen. Und so ein Bild kostet (schräger Blick) ähm … uff 4000 EUR.
- Felix
- Ist das viel?
- Annabelle
- Ja, das ist ziemlich viel. Dafür können wir alle in den Urlaub fahren.
- Felix
- sehr empört und sehr laut WAAAAS? Sooooo vieeeell? Für das KRICKELKRACKEL?
Eins muss man unseren Kids ja lassen. Geschmack haben sie.
Fabian sitzt über irgendeins seiner vielen Rätselhefte gebeugt, während Felix an seinem neuen Schreibtisch (sein ganzer Stolz) sitzt und malt. Beide reden immer so bei Bedarf auf mich ein. Der Weg vom Gedanken zum Mund scheint bei Fabian und Felix kürzer als 1/100 Sekunde zu sein. Und es sind viele Gedanken die da ihren Weg herausfinden.
Glücklicherweise habe ich zwei Ohren an denen mir das Gesagte halbwegs vorbeirauschen kann.
- Fabian
- Wie schreibt man “Vorteil”? Mit “v” oder mit “f”?
- ich
- (mir liegt es natürlich fern ihm einfach die Lösung hin zu werfen, zumal er häufig Testfragen stellt, um mich zu veräppeln) Ja, was meinst du denn?
- Fabian
- Ja, schreibt man das jetzt mit “v” oder mit “f”?
- ich
- (da Fabian auf jeden Fall weiß wie man “vor” schreibt, er jedoch nicht auf die Idee kommt, dass das “vor” in “Vorteil” auch ein “vor” enthält versuche ich ihn in die Richtung zu schubsen)Hmmm, o.k. … wie würdest du denn das Wort zerlegen? Bzw. was ist denn das Gegenteil von “Vorteil”?
- Fabian
- Hmmmm. Hinterteil?
Als ich wieder zu mir komme, sehe ich dass Fabian es natürlich schon vor seiner Fragerei richtig ins Heft geschrieben hatte. Manchmal komme ich mir einfach nur blöd vor.
Heute morgen, die Woche geht wieder los, verabschiede ich mich von Fabian und Felix.
Die beiden müssen schnell noch vor der Schule bzw. vor dem Kindergarten die Zeit zum Spielen nutzen. Sie kommen ja erst heute mittag wieder dazu den ganzen Nachmittag zu Spielen und das wäre wirklich viel zu wenig Zeit. So dass wir uns jeden Abend anhören dürfen: “Wir hatten viiiieeeeel zu wenig Zeit zum Spielen”.
- ich
- Tschüss Jungs. Viel Spaß in der Schule und im Kindergarten. Heute fängt übrigens eure letzte Woche vor den Ferien an.
- Fabian und Felix
- Ääähhhhh! Noch eine ganze Woche bis wir endlich den ganzen Tag spielen können. Sooooo lange!
- ich
- Hmmmm! Na ja. Ihr habt noch eine Woche und stöhnt. Ihr seid echt gut. Ich muss nächste Woche auch noch arbeiten. Und den Monat drauf. Und das Jahr drauf. Und sogar auch noch das Jahrzehnt drauf.
- Felix
- Ja, Papa. Aber wenn du noch unendlich mal schläfst, dann musst du nicht mehr arbeiten.
….
Dann bist du nämlich tot.
Seufz.
Jedesmal wenn ich bei uns auf dem Frühstückstisch herumschaue, fühle ich mich an den Blogeintrag von Jojo “Frühstück mit Freundin” erinnert.
Bei uns findet die Kontamination leider nicht nur mit Lätta und Nutella statt, sondern auch mit Nutella (bzw. die Aldi-Variante) und Honig.
Ich bin mir bei Betrachten des Bildes auch gar nicht mehr sicher, ob man hier noch von einer Kontamination sprechen kann.
Ich denke, der Begriff “Explosion” trifft das Szenario wesentlich besser. Möglicherweise ist hier sogar ein komplett neues Produkt entstanden: Nutonig oder vielleicht Honella. Egal wie es bezeichnet wird, eins ist sicher: Nutella und Honig sind beim Frühstück unseren Kindern vorbehalten … örgs.
Nachdem wir in letzter Zeit ein wenig – na, sagen wir es mal harmlos – derangiert sind, ist immer häufiger von Urlaub die Rede. Meine letzten Urlaubstage verdienen den Namen Urlaub auf jeden Fall nicht.
- Annabelle
- Wie wär’s, wenn wir nochmal in einen Center Parc fahren würden?
- Fabian und Felix
- (einstimmig)
Au jaa! - Annabelle
- Wenn wir nochmal an die Nordseeküsten fahren wollen, könnten wir mal nach Belgien fahren.
- Fabian
- Oder nach Dänemark.
- Annabelle
- Hm? Ja, oder nach Dänemark. Oder vielleicht nach Holland.
- Fabian
- Oder nach Dänemark.
- Annabelle
- Dänemark?
- Fabian
- Ja, wir könnten doch auch noch Dänemark fahren
- Annabelle
- (etwas verdattert – schließlich war Fabian noch nie in Dänemark und irgendwie war in letzter Zeit auch “Dänemark” nie im Gespräch. Schon erstaunlich genug, dass Fabian Dänemark überhaupt kennt. Und jetzt will er da gleich Urlaub machen)
Äh, ja oder Dänemark. Was verbindest du denn mit Dänemark? - Fabian
- (strahlend)
Da gibt es sooooo viele Märkte! - Annabelle
- ???
- Fabian
- Jaaaaa, da gibt es doch soo viiiiele Märkte. In Däne-Markt!! (kicher kicher)
Weia! Diese Art von flachem Wortwitz kommt mir irgendwie entfernt bekannt vor.
Ein immerwährendes aktuelles – und leider auch fast völlig unverstandenes – Thema bei unseren Jungs ist natürlich die Fortpflanzung. Das Unwissen ist groß und äußert sich dann in so Verwirrtheiten wie: “Ach so!!! Der Papa ist gar nicht der Papa von der Mama!” (und ich beziehe das jetzt nicht darauf, dass ich älter aussehe als ich bin!)
Aber nein, manchmal kommen sogar richtig erhellende Weisheiten zu Tage:
- Felix
- Mammaaaaaaa (so oder mit Pappaaaaaaa fängt nahezu jeder Satz an)
- Mama
- Jaaaaa
- Felix
- Mammaaaaaaa, der Papa bestimmt doch ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, oder?
- Mama
- Äh, ja genau. Weil die Samenzelle entweder ein Y-Chromosom oder ein X-Chromosom an die Eizelle in der Mama abgibt.
- Felix
- Mmmhh. Und das ist nämlich soooooo! Ich hab doch auch zwei Hoden! (ich staune doch immer wieder über den Wortschatz unserer Jungs!)
- Mama
- Ja genau, zwei Stück! Die nennt man auch Testes! (jetzt weiß ich auch warum unsere Kinder medizinisch so gut informiert sind
) - Felix
- Mammaaaaaaa, dann ist das doch klar. Aus dem rechten Hoden (oder auch Testis
) kommen die Jungs und aus dem linken die Mädchen.
Ja, Annabelle war fleißig und hat schon fein den Jungs die halbe Genetik erklärt.
Da schaut man mal 10 Minuten nicht nach den Jungs. Nach dieser Zeitspanne kam mir die Ruhe schon ein wenig verdächtig vor. Auch wenn ich am Stöhnen bin, dass es ja immer laut zugeht. Wenn es zu lange zu leise ist, dann ist es mir natürlich auch wieder nicht recht. Dann weiß ich: die hecken doch wieder was aus.
In diesen 10 Minuten haben sie etwas wundervolles gewebt. Für den Webstuhl musste das Gartentürchen herhalten und für den Faden reicht ein einfaches Absperrband (nein, ich will nicht wissen, wo DAS nun wieder herkommt).
Auch wenn es schwer zu erkennen ist, möchte ich doch die Aufmerksamkeit auf die sorgsame Verarbeitung legen. Ein Meisterstück.
